Sibylle Mertens-Schaaffhausen

Zu den erstaunlichen Frauenfiguren der ersten Hälfte des 19. Jhs. gehört sicher Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797-1857). Als Tochter eines Bankiers in Köln wuchs sie in einem sehr anregenden Umfeld auf und lernte früh antike Münzen und Gemmen kennen. Vor allem nach den Tod ihres Mannes, führte sie ein ungewöhnlich selbständiges Leben, in dem sie besonders ihren altertumswissenschaftlichen Interessen als Sammlerin nachging.

( Zu diesem Leben neuerdings: A. Steidele, Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens, Berlin 2010).

Sie reiste viel, lebte lange Jahre in Italien und verkehrte insbesondere auch in den Kreisen der klassischen Altertumswissenschaften. Ihre speziellee Leidenschaft galt den antiken Gemmen, die sie  mit Leidenschaft sammelte und über die sie große Kenntnisse besaß. Nach ihrem Tod wurden ihre Sammlungen 1858/59 von den Kindern versteigert. Außer einem gedruckten Katalog ‚erschien‘ dazu auch eine einbändige Daktyliothek mit den Abdrücken von 100 Steinen aus ihrem Besitz, von der bisher noch 4 Exemplare bekannt sind (Göttingen, Erlangen, München, Köln). Erika Zwierlein-Diehl hat nun in einem monumentalen wissenschaftlichen Beitrag am Beispiel des Kölner Exemplars und eines in Wien aufbewahrten Katalog-Manuskripts von Mertens-Schaaffhausen diese Sammlung und ihr Schicksal verfolgt:

Gemmen aus der Sammlung Sibylle Mertens-Schaafhausen.                                             Kölner Jahrbuch 46, 2013, 209-333.

Zwierlein-Diehl bestimmt und datiert darin nicht nur die in der Daktyliothek überlieferten Gemmen und verfolgt deren Schicksal (nur von einem kleinen Teil ist der heutige Aufbewahrungsort bekannt), sondern leuchtet auch das Verhältnis der Bankierstochter zu den führenden Altertumskundlern ihrer Zeit aus, beschäftig sich mit der Rolle dieser unkonventionellen Frau im Rahmen einer sehr spezifischen  Wissenschaft. Vielleicht wird ja mit dieser Veröffentlichung nicht nur der Blick auf die Gemmen sondern auch auf die Daktyliotheken gerichtet und es finden sich neue Exemplare in privaten Sammlungen.

Übrigens stammt die Titelseite dieses Web-Sites aus dem göttingischen Exemplar der Mertens’schen Daktyliothek.