Neuigkeiten aus der Welt der Daktyliotheken

Auch aus dem Jahr 2012 gibt es wieder wichtige Neufunde und Publikationen zur Welt der Daktyliotheken zu vermelden.

Am wichtigsten war wohl die Ausstellung „Weimarer Klassik. Kultur des Sinnlichen„, die von März bis Juni im Schiller-Museum in Weimar zu sehen war. Unter dem Titel „Antike begreifen. Herdes Idee des ‚Tastenden Sehens‘ und Goethes Umgang mit Gemmen“ (S. 106-115) behandelt Matthias Buschmeier darin nicht nur die Gemmen sondern auch deren Abdrücke in Goethes Sammlung und deren ‚Anschauung‘ in der Goethezeit. Geradezu sensationell war jedoch das Auftauchen von Zuckergemmen der Goethezeit. Zwar war bereits bekannt gewesen, dass der Hofkonditor Le Goullon ‚Gemmenabdrücke‘ aus Zuckerguss angefertigt und verkauft hatte, doch hatten die Ausstellungsmacher tatsächlich noch eine originale Bonbonniere mit solchem Konfekt gefunden  (S. 26-31 und S. 327 Kat. Nr. 1 und 2; Christiane Holm und Martin Dönike). Sogar auf dem Umschlag sind die Zuckergemmen abgebildet. Die Motive stammen zumeist von neuzeitlichen Gemmenschneidern (z.B. Pichler). Das Verdienst des ausgesprochen schönen Katalogs liegt aber natürlich vor allem darin, die unterschiedlichen Formen von Sehen und Be-Greifen zusammenzustellen, wozu dann eben auch die Gemmen gehören.

Die Ausstellung soll in veränderter und erweiterter Form 2013 im Musée du Louvre gezeigt werden.

In Mailand erschien die aufwendige (und teure) Publikation von Gabriella Tassinari, Giovanni Pichler. Raccolta di impronte di intagli e di cammei del Gabinetto Numismatico e Medagliere delle Raccolte Artistiche del Castello Sforzesco di Milano (pp. 443, Milano, ed. ennerre 2012). In dem Katalog werden 127 Abdrücke (rote Schwefel) nach Arbeiten von Pichler, die in drei stapelbaren Tabletts aufbewahrt werden, ausführlich besprochen und mit hervorragenden Photos illustriert. Auch Vorlagen für den oben genannten le Goullon befinden sich darunter.

Offenbar sind weitere Publikationen zu den reichen Beständen in Mailand geplant, da der Band auch als Dattilioteche 1 bezeichnet ist.

Für Liebhaber von Daktyliotheken sei auf das Antiquariat  Müller & Draheim in Potsdam verwiesen, das in seinen sehr sorgfältig recherchierten und illustrierten (an unterschiedlichen Stellen datierten) Katalogen immer wieder Daktyliotheken und Vergleichbares anbietet: so in Kat. 18 (2011) als Nr. 5 den Katalog des Museo di Cristiano Denh (sic) von Francesco Maria Dolce und dazu als Nr. 6 eine Dehn-Edition mit 400 Abdrücken in sieben stapelbaren Holzladen. In demselben Katalog (Nr. 38) findet sich auch eine Sammlung schwarz gefärbter Schwefel von Edmund Müller aus dem Jahr 1841. Vergleichbare schwarze Abgüsse sind in Rahmen z.B. in Wörlitz in den Wänden eingelassen. Im letzten Katalog (20, 2012, Nr. 57) findet sich eine Sammlung von Abdrücken nach Medaillen (u.a. Hedlinger und Dassier), sowie der „Versuch einer Einrichtung antiker Münz-Sammlungen zur Erläuterung der Geschichte der Kunst des Altertums v. C.L. Stieglitz (1809, nur der Text), deren Schwefel von Rabenstein (vorletzte Lippert–Edition) angefertigt wurden.

Schließlich noch eine Vorschau. Im Städel in Frankfurt findet vom 20. Februar bis zum 26. Mai 2013 die Ausstellung: Schönheit und Revolution. Klassizismus 1770-1820 statt. Dort soll auch das „Tasse-Schränkchen“ aus Göttingen gezeigt werden.

Veröffentlicht in Allgemein