Leiden: Splendour and precision

Am 3. und 4. November fand in Leiden ein Kolloquium zu antiken Gemmen mit dem Titel  „From cylinder seals to Lippert’s dactyliotheca“ statt.

2013 waren im Zuge einer Umorganisation die geschnittenen Steine aus dem königlichen Münkabinett in Den Haag nach Leiden gekommen. Ein Teil von ihnen ist noch bis zum Ende des Jahres im Rijksmuseum van Oudheden in einer besonderen Ausstellung zu sehen (http://www.rmo.nl/english/exhibitions/splendour–precision

Die Ausstellung zeigt sowohl eine Auswahl der schönsten Steine wie auch Beispiele zur Steinschneidekunst und zu den Daktyliotheken. Ein kleiner Katalog in flämischer Sprache ergänzt die Ausstellung. Das Kolloquium umfasste Beiträge, die von den mesopotamischen Rollsiegeln bis zu Arbeiten des 18. und 19. reichten. Das Programm kann mit diesem Link erreicht werden http://www.rmo.nl/conference2016
Die Beiträge sollen bald auf Englisch veröffentlicht werden.

Die Daktyliotheken in Leiden sind mittlerweile alle auch digital in wenigstens ein oder zwei Photos auf der Webseite des Museums zu sehen: http://www.rmo.nl/english/collection/search-collection Sie umfassen die Inventarnummern GS-70001-70038, sowie AM 111 und 1899 1. 1.

Über die Zusammensetzung der Sammlung hatte ich schon kurz im Frühjahr berichtet. Die Möglichkeit, das Inventar zu konsultieren und weitere Recherchen in alten Bestandkatalogen zeigten, dass einige Daktyliotheken wahrscheinlich aus dem ehemaligen Koninklijken, ab 1815 aber Rijks-Museum in Amsterdam stammten (der heute hochberühmten Gemäldegalerie), das unter französischer Herrschaft als erstes großes öffentliches Museum in den Niederlanden gegründet wurde. Die Geschichte anderer Daktyliotheken bleibt dagegen bisher noch unklar.

An Lippert-Editionen befinden sich mittlerweile in Leiden  die einbändige Ausgabe von 1753 (aus dem privaten Besitz des ersten Museumsdirektors und ersten Inhabers des Lehrstuhls für Archäologie Caspar Reuvens); die drei Bände der deutschen Ausgabe (Herkunft?), die dreibändige Edition von Rabenstein nach Lippert und eine „Auswahl“ Rabensteins (beide aus dem Museum in Amsterdam). Reuvens, der durch Reisen vor allem nach Deutschland mit der aktuellen Lehre dort vertraut war, nutzte die Daktyliothek für seinen archäologischen Unterricht ab 1819.

Die Ausstellung zeigt einen Band des deutschen Lippert, ein Schränkchen mit Herrscherbildnissen aus der Produktion der Gemmenschneider Dorsch in Nürnberg und einen Kasten mit Abdrücken von Bracci. Besonder reizvoll ist ein in der Art der großen Bände von Lippert gestalteter Band (Ringstein-kabinett) des sächsischen Goldschmiedes Johann Christian Neuber (1736 – 1808) mit dem Titel: Amusement lithologique. Er enthält auf einzelnen Tabletts kleine Proben mehr oder weniger kostbarer Steine, die mich mit ihrer schmalovalen Form und Politur an die Schaustücke eines Nagelstudios erinnerten. In der Verpackung seiner Proben orientierte er sich ganz offenbar an der ‚Erfindung‘ seines Landsmannes Lippert. und bot die Bände spätestens seit 1786 an. Bild und Literaturangaben:

http://www.rmo.nl/collectie/zoeken?object=GS-60027b

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