Leiden. Rijksmuseum van Oudheden (und Amsterdam)

Anfang März ergab sich für mich die Gelegenheit, im Rijksmuseum van Oudheden (RMO) in Leiden im Depot wenigstens einen kurzen Blick auf die Bestände an Daktyliotheken zu werfen. Einen herzlichen Dank an Ben van den Bercken, der sich die Zeit dafür nahm, mit mir  in das ehemalige Naturhistorische Museum zu gehen, wo die Mehrzahl heute aufbewahrt wird.

2013 wurden in Den Haag die historischen Sammlungsbestände des nunmehr geschlossenen Geldmuseums (Money Museum – Royal Coin Cabinet/ Koninklijk Kabinet van Munten, Penningen en Gesneden Stenen) so aufgeteilt, dass die Münzen und Medaillen in Den Haag bei der Reichsbank blieben, die Gemmen und Daktyliotheken aber nach Leiden kamen. Natürlich sind die bedeutenden Bestände von ca. 4.300 geschnittenen Steine aus allen Epochen ein großer Gewinn für das Museum. Aus diesem Anlass wird  auch am 3. und 4. November 2016 ein internationales Kolloquium mit dem Titel  From cylinder seals to Lippert’s dactyliotheca  abgehalten (Mehr Informationen: http://www.rmo.nl/conference2016 )

Auf unserer Daktyliotheken-Seite interessieren jedoch die gleichfalls aus dem Haag gekommenen  Daktyliotheken. Neben den üblichen Beständen von Dehn; Dehn-Dolce; den für den Haag verständlichen De Jonge und einigen Bänden Liberotti befinden sich nun in Leiden auch gleich mehrere Editionen von Lippert. In der Eile konnten die Bände nicht geöffnet werden und nicht weiter untersucht. Hier bleibt noch zu tun.

  1. Lipperts seltener Erstling: Gemmarum anaglyph(icarum) et diaglyph(icarum) ectypa m(ilia). 1753
  2. Die deutsche Edition Philipp Daniel Lipperts Dactylitothec (1767) mit Supplement (1776) (früher Den Haag, jetzt in der Dauerausstellung?)
  3. Die dreibändige Lipperts Daktyliothek neu herausgegeben von G.B. Rabenstein in Dresden  (aus dem Royal Coin Cabinet)
  4. Rabensteins Auswahl“ (auf 10 stapelbaren Tabletts)
  5. Eine einzelne Schublade aus einem der üblichen Kästen (Thema Dionysos), aber in der Nummerierung der Abdrücke und deren Position auf der Fläche nicht mit mir bekannten Exemplaren übereinstimmend. Könnte es sich um den Rest einer der sehr seltenen Auswahleditionen handeln? Die Schublade fehlt in keiner der anderen Exemplare in Leiden, sagte man mir.
  6. In einem der ersten Kataloge des Rijksmuseums wird außerdem noch eine weitere deutsche Edition genannt: Leonhardt Johannes Friedrich Janssen, De grieksche, romeinsche en etrurische Monumenten van het Museum van Oudheden te Leiden, Leiden 1848, S. 369. Afgietsels van de gegraveerde steenen, beschreven door Lippert, Dactijliothec, 2 Thh. 1767, 4o, en Supplement, Leipzig 1776.  (Abgüsse geschnittener Steine…). Handelt sich tatsächlich um ein weiteres Exemplar oder um das hier unter Nr. 3 bereits gelistete Stück, das dann schon einmal in Leiden gewesen wäre?