Erlangen

Bei einem Besuch in Erlangen konnte ich dank des Entgegenkommens von Herrn Dr. Boss die dort aufbewahrten Daktyliotheken ansehen. Anlass waren für mich die drei Bände des großen Rabenstein/Lippert gewesen. Er ist insgesamt gut erhalten, könnte aber eine Restaurierung vertragen. Es war wieder erstaunlich, wie sehr bei Rabenstein im Vergleich zum ‚Original‘ Lipperts auch noch die Goldprägungen des Leders angeglichen werden.

Ansonsten findet sich das Übliche: Mertens-Schaafhausens Versteigerungsangebot (Katalog Daktyliotheken Nr. 21); Stapelkästen von Thomas Cades, Pietro Bracci und Giovanni Liberotti. Die originalen Beilagen mit den Benennungen fehlen, vereinzelt gibt es simple, deutsch geschriebene Hefte mit Listen. Ungewöhnlich sind zwei Bände mit Abdrücken der Berliner Sammlung (Historisches Hundert und Mythologisches Hundert) in wohl ursprünglichen Schubern. Hier werden die Deckel-Innenseiten für die handschriftliche Benennung verwendet, die auch die systematischen Nummern von Toelkens Katalog der Berliner Bestände auflisten. Bei einigen Stücken steht stattdessen jedoch „Neuer Erwerb“, womit die Kästen wohl in die Jahre nach dem Erscheinen von Toelkens Katalog von 1835 zu datieren sind. Sie könnten auch von Kraus stammen, sind aber umfangreicher als die von ihm vertriebenen Schul-Daktylitoheken (Kat. Daktyliotheken Nr, 14).

Ungewöhnlich sind weiterhin drei Bände (2.4.7) einer mindestens siebenbändigen Buchdaktyliothek mit flauen, rosafarbenen Gipsabdrücken. Sie zeigen auch moderne Motive. Die Rücken sind mit der Hand auf französisch beschriftet, was vielleicht auf die Herkunft verweisen könnte (obwohl ja gerade die italienischen Manufakturen gern französisch für ein internationales Publikum schrieben).

Weiter Stapelkästen mit losen Stücken, auch von Münzen, und ein schönes Schränkchen mit Münzabdrücken von Mionnet runden die kleine Sammlung ab, die ganz offensichtlich nicht systematisch zusammengestellt wurde.