Die Bauer’che Daktyliothek in Zittau

In unserem Katalog von 2006 hatten wir vermutet, dass es neben – oder nach – der Edition von Rabenstein noch eine weitere ‚Neuauflage‘ von Lippert gegeben habe: die Bauer’che Daktyliothek (74f. mit Anm. 27). Wir hatten uns damals auf eine recht indirekte Erwähnung berufen und glücklicherweise vorsichtig vermerkt, dass wir die eigentlich Quelle noch nicht gesehen hätten. Das ist nun geschehen: Es handelt sich um die zu Zittau jüngst erwähnte lateinische Schulschrift De usu dactyliothecarum breve disputatio von F. Lindemann, Zittau 1829. Neben dem ‚ererbten‘ Lippert beschreibt er ausführlich die offenbar schon vor  längerer Zeit für Zittau erworbene Daktyliothek von Bauer. Daraus ergibt sich, dass diese Sammlung sehr viel kleiner als ein Lippert war und deutlich mehr moderne Gemmen enthielt – was den Schulrektor offenbar nicht weiter irritierte. An einigen Beispielen zeigt er, wie man diese Gemmenbilder als Illustrationen literarischer Überlieferung nutzen könne. Unsere damalige Vermutung hat sich damit als falsch herausgestellt, es gab keinen 5. Lippert (je nach Zählung).

Doch wer ist dieser Bauer gewesen? Ralf Schmidt aus Suhl, der sich intensiv mit dem Steinschneider Döll (aus Suhl) und dessen reicher Korrespondenz befaßt hat, konnte diesen Briefen dazu viel entnehmen, was er hoffentlich noch eigens publizieren wird. Bauer war offenbar ein abgefeimter Hochstapler – und das in der doch so heilen (?) Daktyliothekenwelt. Wieviel von der Bauer’chen Daktyliothek noch in Zittau erhalten blieb, ist mir nicht bekannt.

 

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