Ausstellung DAKTYLIOTHEKEN: 30. Mai – 30. Juli 2006

Die Bewunderung antiker Kunst im 18. Jahrhundert hatte nördlich der Alpen einen großen Bedarf an Abbildungen zur Folge. Er wurde nicht nur mit den Stichen von Kunstobjekten befriedigt. Ein heute fast vergessenes Bildmedium vermittelte eine weit authentischere Vorstellung der verehrten Werke: Abdrücke von antiken gravierten Steinen (Gemmen). In schönen Behältnissen, den Daktyliotheken, aufbewahrt, konnten diese in Bibliotheken oder Kunstakademien, aber auch bei kunstsinnigen Sammlern studiert werden. Man schätzte die Gemmen wegen der auf ihnen eingravierten Bilder. Sie zeigen Götter und Heroen, Könige und Caesaren, aber auch Mythen, Symbole und Kulthandlungen aus der Antike und ergänzten damit ebenso das Studium der klassischen Autoren wie sie als stilbildende Vorlagen für die Künstler der Gegenwart dienten.

Die Ausstellung im Maximilianmuseum Augsburg ist die erste dieses Umfangs und Anspruchs zu diesem Thema. Sie stellt die Bestände der alten Reichsstadt Augsburg jenen in Göttingen, der wichtigsten Universität der Aufklärung, gegenüber. Zahlreiche Leihgaben kommen zudem aus Berlin, Bonn, Dillingen und München. Sie bieten mit ihren überaus fein gearbeiteten Abdrücken und deren z. T. kostbaren Behältnissen einen umfassenden Einblick in die gleichermaßen gelehrte wie visuell reizvolle Welt solcher Sammlungen.