Roßleben und Eisleben

Frau Elke Wichmann, die das Archiv der Klosterschule Roßleben betreut, übermittelte mir einen Auszug aus der Festschrift zum 50 jährigen Dienstjubiläum des damaligen Rektors von Roßleben, Benedict Wilhelm, aus dem Jahr 1836. Daraus ergibt sich, dass der dortige Lippert um 1799 als Geschenk des Königs von Sachsen in die Schule kam. Wilhelm hatte zuvor bei einer Schulinspektion darauf verwiesen, dass „alle Landesschulen und selbst Gymnasien, wie Eisleben“ eine Lippert’sche Daktyliothek besäßen. Und in der Tat. Die ‚Jubelschrift‘ zur Feier seines dreihunderjährigen Bestehens, nennt für das damals königliche Gymnasium, das heutige Martin-Luther-Gymnasium, eine Lippertsche Dactyliothek (sic) in der Lutherstadt. Sie sei  1791 als „mehr kostbares als (in seiner Vereinzelung) nutzbares Geschenk“ in die Bibliothek gekommen. Die Dactyliothek sei „allerdings in ihrer Zeit überschätzt“ worden. Daraus kann man wohl schließen, dass sie nicht im Unterrricht verwendet wurde und in der Zusammenstellung der Lehrpläne der Schule kommt sie auch nicht vor. Ob die Daktyliothek heute noch existiert, weiß ich bisher nicht.

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Lippert – Hedlinger

Aus der Staats- und Landesbibliothek in Dresden (SLUB) schreibt mir Herr Dr. Thomas Haffner, dass der dort aufbewahrte Kasten mit Abdrücken der Medaillen von Hedlinger dank der Spende einer ‚Buchpatin‘ restauriert werden konnte. Der Kasten gleicht einem scrinium der üblichen Daktyliotheken, enthält aber Abdrücke des Medaillenschneiders Hedlinger. Ein weiterer ‚Hedlinger‘ befindet sich im S. Annen Museum in Lübeck, allerdings auf einfachen, stapelbaren Tabletts.

Zu einem Bericht über die Restaurierung:

http://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A7384/attachment/ATT-0/

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Dresden und offene Fragen

Mein letzter Besuch in dactyliothecis in Dresden fand 2008 gemeinschaftlich mit Daniel Graepler und Denis Stante statt. Dr. Kordelia Knoll machte uns damals das Depot des Albertinum zugänglich. Wir sahen  folgende Editionen

1 Bd. lat. 1753 (mit Textband)

1 Bd. lat. 1756 (scrinium secundum)(mit Textband)

1 Bd. in der Art Lipperts, in Format und Bindung aber eher Rabenstein ähnelnd, mit dem Titel: Das Alterthum nach Lippert und Visconti.

Heute befinden sich alle Daktyliotheken im Studiendepot Antike des Albertinum. Herr Rüdiger Schmidt nennt mir außer den beiden lat. Exemplaren noch:

3 Bde. dtsch., ehem kgl. Bibliothek, mit besonders aufwändiger Leder-Prägung (s. K. von Falkenstein, Beschreibung der Königlichen öffentlichen Bibliothek…, 1839, S. 523)

1 Bd. dtsch, Auswahl

Dr. Jörn Lang nennt mir dagegen eine dreibändige lat. Edition sowie eine dreibändige deutsche.

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Rijksmuseum Amsterdam

Herr Rüdiger Schmidt macht mich auf folgende Daktyliothek erneut aufmerksam:

Seit 2013 Zeit ist eine weitere dreibändige, deutsche Edition im Rijksmuseum Amsterdam wieder sichtbar. Sie wurde 1792 von ‚Lipperts Erben‘ für die Stads-Tekenacademie (städtische Zeichenakademie Amsterdams) erworben und dann von deren Nachfolgerin, der Rijksacademie voor Beeldende Kunsten (gegr. 1870) übernommen. Im Rijksmuseum steht sie im Raum 1.10 mit Gegenständen und Bildern der Zeit um 18oo. Besonders gut passt sie zu einem Bild (1806-1809) von Adriaan de Lelie, das eine Sitzung der Mitglieder der Felix Meritis-Gesellschaft in einem großen Saal  zeigt, umgeben von Gipsabgüssen der berühmten Statuen des Altertums.

Permanent URL: http://hdl.handle.net/10934/RM0001.COLLECT.518441

mit weiteren Angaben, aber ohne Abbildung. Das Schränkchen wurde abgebildet in:  R. de Leeuw (Hrsg.), Herinneringen aan Italië, Zwolle 1984, 192 Nr. 130. Es handelt sich um eine Leihgabe: Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (on loan from the Amsterdam Museum).

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Leiden. Rijksmuseum van Oudheden (und Amsterdam)

Anfang März ergab sich für mich die Gelegenheit, im Rijksmuseum van Oudheden (RMO) in Leiden im Depot wenigstens einen kurzen Blick auf die Bestände an Daktyliotheken zu werfen. Einen herzlichen Dank an Ben van den Bercken, der sich die Zeit dafür nahm, mit mir  in das ehemalige Naturhistorische Museum zu gehen, wo die Mehrzahl heute aufbewahrt wird.

2013 wurden in Den Haag die historischen Sammlungsbestände des nunmehr geschlossenen Geldmuseums (Money Museum – Royal Coin Cabinet/ Koninklijk Kabinet van Munten, Penningen en Gesneden Stenen) so aufgeteilt, dass die Münzen und Medaillen in Den Haag bei der Reichsbank blieben, die Gemmen und Daktyliotheken aber nach Leiden kamen. Natürlich sind die bedeutenden Bestände von ca. 4.300 geschnittenen Steine aus allen Epochen ein großer Gewinn für das Museum. Aus diesem Anlass wird  auch am 3. und 4. November 2016 ein internationales Kolloquium mit dem Titel  From cylinder seals to Lippert’s dactyliotheca  abgehalten (Mehr Informationen: http://www.rmo.nl/conference2016 )

Auf unserer Daktyliotheken-Seite interessieren jedoch die gleichfalls aus dem Haag gekommenen  Daktyliotheken. Neben den üblichen Beständen von Dehn; Dehn-Dolce; den für den Haag verständlichen De Jonge und einigen Bänden Liberotti befinden sich nun in Leiden auch gleich mehrere Editionen von Lippert. In der Eile konnten die Bände nicht geöffnet werden und nicht weiter untersucht. Hier bleibt noch zu tun.

  1. Lipperts seltener Erstling: Gemmarum anaglyph(icarum) et diaglyph(icarum) ectypa m(ilia). 1753
  2. Die deutsche Edition Philipp Daniel Lipperts Dactylitothec (1767) mit Supplement (1776) (früher Den Haag, jetzt in der Dauerausstellung?)
  3. Die dreibändige Lipperts Daktyliothek neu herausgegeben von G.B. Rabenstein in Dresden  (aus dem Royal Coin Cabinet)
  4. Rabensteins Auswahl“ (auf 10 stapelbaren Tabletts)
  5. Eine einzelne Schublade aus einem der üblichen Kästen (Thema Dionysos), aber in der Nummerierung der Abdrücke und deren Position auf der Fläche nicht mit mir bekannten Exemplaren übereinstimmend. Könnte es sich um den Rest einer der sehr seltenen Auswahleditionen handeln? Die Schublade fehlt in keiner der anderen Exemplare in Leiden, sagte man mir.
  6. In einem der ersten Kataloge des Rijksmuseums wird außerdem noch eine weitere deutsche Edition genannt: Leonhardt Johannes Friedrich Janssen, De grieksche, romeinsche en etrurische Monumenten van het Museum van Oudheden te Leiden, Leiden 1848, S. 369. Afgietsels van de gegraveerde steenen, beschreven door Lippert, Dactijliothec, 2 Thh. 1767, 4o, en Supplement, Leipzig 1776.  (Abgüsse geschnittener Steine…). Handelt sich tatsächlich um ein weiteres Exemplar oder um das hier unter Nr. 3 bereits gelistete Stück, das dann schon einmal in Leiden gewesen wäre?
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Detmold

Neue Nachrichten von den Lesern dieses ‚Blogs‘: Herr Dr. Eberhardt, Direktor der Lippischen Landesbibliothek Detmold, teilte mir jüngst freundlicherweise mit, dass die Bibliothek die dreibändige ‚lateinische‘ Ausgabe von 1755/57/62 besitzt, dazu die lateinischen Texte in zwei Fassungen, außerdem den deutschen Katalog. Dieser ist ja so organisiert, dass über Verweise auch die Abdrücke in der der dreibändigen lateinischen Fassung findet. Die Kästen stammen aus fürstlich-lippischem Besitz und kamen vielleicht 1820-1824 in die öffentliche Bibliothek, vielleicht waren sie zuvor auch der Lateinschule zugeordnet (und wurden wie andernorts im Unterricht verwendet?)

Das Beispiel zeigt, dass es mehr deutsche Texte als Kästen gegeben haben muss, die man als ausführlichere und leichter lesbare Ergänzung zu schon vorhandenen ‚lateinischen‘ Kästen erwarb. Ob es auch mehr lateinische Texte als Bücher gab? Die zweite lateinische Erläuterung in Detmold kommt aus der Bibliothek des preußischen Regierungsbezirks Minden. Ob es dort auch die Abdrücke gab? Oder ob man an der Porta Westfalica sich abends zum Vergnügen Gemmenlisten vorlas?

Die Daktyliothek muss 2014  in der Ausstellung „400 Jahre, 400 Bücher. Eine Zeitreise durch und mit der Lippischen Landesbibliothek“ zu sehen oder wenigstens im Begleitband (s. das angehängte Photo) behandelt worden sein.

Siehe Titel

Foto: Lippische Landesbibliothek/Inga Hellmich

 

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Korrekturen

Eine Aufräumaktion habe ich zum Anlass genommen, in der Tabelle der erhaltenen Lipperts einige kleinere Korrekturen vorzunehmen und auch dem Alphabet wieder zu seinem Recht zu verhelfen. Manche Nachrichten bleiben für mich bisher etwas unklar: So muss man vielleicht damit rechnen, dass in Bibliotheken Textbände allein stehen konnten, ohne die Kästen mit Gemmen: zu werden z.B. in Elbing (heute Eblag) im Katalog L. Neubaur 1893 nur die beiden Texbände genannt. Waren die Gemmenkästen nicht mehr vorhanden, (oder hatte es sie nie gegeben?). Ältere Beschreibungen der Schule und der Schulbibliothek, die von polnischer Seite auch digitalisiert wurden, kann ich leider nicht öffnen: Apple kämpft mit Oracle!

Um Korrekturen etc. bitte ich weiterhin von (geneigten?) Lesern (am besten an meine Mail-Adresse in der Universität Augsburg) – wenn es denn solche Leser geben sollte.

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Dehn in Madrid

Wie so viele Kunstakademien besitzt auch die Sammlung  der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid, die 1752 gegründet wurde, besitzt eine schöne, sehr umfassende und relativ frühe ( 1769) Daktyliothek von Schwefeln Dehns.  In sehr gutem Zustand, ist sie mittlerweile in einem eigenen Kabinett ausgestellt. Vielleicht könnte man über die Porträts von König Carlos III, der 1759 aus Neapel kam und die Herrschaft übernahm, und seinem Sohn – die offenbar Teil der Zusammenstellung sind – noch mehr darüber erfahren, vor welchem Hintergrund die Dinge zu sehen sind. Da es aber minute (Sitzungprotokolle) der Akademie gibt, wäre dort wohl noch mehr zu erfahren. Vielleicht ist das aber auch alles schon längst publiziert… Die Kenntnis der Daktyliothek und Bilder verdanke ich N. Kockel.

Dehn_Madrid_Text

 

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Pompejanische Bilder auf Gemmen

Kein direktes Thema für Daktyliothekenfreunde, aber eines, das meine Interessengebiete ‚Rezeption Pompejis‘ mit der Gemmenkunde verbindet:
Gabriella Tassinari, dem Daktyliothekenfreund wohlbekannt, hat 2015  in einer Publikationsreihe der  ‚Amici di Pompei‘ ein hübsches Büchlein in italienisch und englisch mit folgendem Titel publiziert :
Le pitture delle ‚Antichità di Ercolano‘ nelle gemme del XVIII e XIX secolo/ The paintings of the Antichità di Ercolano in 18th and 19th century Gem-Carving, Napoli 2015, 162 Seiten, 45 farbige Abbildungen.

(Ohne ISBN-Nr. Erhältlich über: Associazione Internazionale ‚Amici di Pompei‘, Piazza Esedra, 5, Pompei (www.amicidipompei.com).

Sie sammelt darin (natürlich) neuzeitliche Gemmen, die pompejanische Motive in Stein geschnitten zeigen. Im Titel ist  bereits der Übertragungsweg angedeutet. Die Steinschneider griffen auf Abbildungen der offiziellen Grabungspublikation zurück, der Antichità di Ercolano, oder davon ‚abgekupferter‘ Editionen, wie sie in verschiedenen Sprachen erschienen.
Letztlich ist das Repertoire erstaunlich klein: die schwebenden Figuren und Kentauren aus der Villa di Cicerone; ‚Wer kauft Liebesgötter‘ und zwei, drei andere erotische Themen,  schließlich nur ein mythologisches Bild: Theseus mit dem toten Minotaurus aus der Basilica in Herculaneum. Wie stets bei Tassinari wird das ganze äußerst sorgfältig und kenntnisreich behandelt und man erfährt viel über Gemmenschneider wie Giovanni Pichler, Alessandro Cades, Edward Burch, Charles und William Brown etc.

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Lippert Nr. 72

Dr. Stephan Karl von der Universität Graz wies mich darauf hin, dass auch das Landesmuseum Joanneum  eine zweibändige deutsche Lippertsche Daktyliothek besitzt.  Dazu:

Mythos Rom. Das antike Fundament des barocken Staates. Kat. Ausst. Schloss Eggenberg Graz 2009 (Graz 2009), S. 71 (Nr. 7?).

Leider sagt der Autor des Eintrags (BP) nichts über die Provenienz des offenbar gut bis sehr gut erhaltenen Exemplars.

Damit sind dem Betreiber dieser Seite mittlwerweile 72 Editionen bekannt – 2006 waren es noch ca. 40. Die immer deutlicher sichtbare weite Verbreitung der doch sehr teuren scrinia Lipperts überrascht mich immer wieder.

Ich danke allen Zuträgern neuer Nachrichten und bitte auch weiterhin um Korrekturen, wenn Stücke fehlen, ungenau oder falsch charakterisiert werden.

 

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